Cantate Domino

Geistliche Musik so reich und vielfältig

Beeindruckendes Konzert des Projektchors der Stadtsingschule

(sbe) In den Psalmen des Alten Testaments ist es ein vielfach zu lesender Aufruf: Cantate domino – „Singt dem Herrn ein neues Lied“. Bis zum heutigen Tag folgten ihm zahlreiche Komponisten mit der Vertonung eben dieser Psalmentexte oder – viel allgemeiner – mit der Komposition geistlicher Lieder. Das musikalische Lob Gottes hatten sich dieses Mal ganz besonders auch der Projektchor und das Kammerorchester der Stadtsingschule Kolbermoor unter der Leitung von Martin Kreidt vorgenommen. In ihr Konzertprogramm für die Kolbermoorer Stadtpfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit hatten sie vorwiegend zeitgenössische Komponisten aufgenommen – eine geschickte Wahl:

Denn gerade moderne Kompositionen mit ihren komplexen harmonischen, rhythmischen und klanglichen Möglichkeiten bringen die große Bandbreite der Stimmungen und Bedürfnisse, mit denen die Menschen sich an Gott wenden, bemerkenswert vielfältig zum Ausdruck. Und dem Projektchor gelang es, jedem Werk seine ganz eigene Stimmung und Klang zu verleihen. Im eingangs gesungenen, mitreißenden „Cantate domino“ von Karl Jenkins kam das freudige Drängen, Gott zu loben und zu preisen, ebenso zum Ausdruck wie im darauffolgenden „Ubi caritas“ von Ola Gjeilo die stiller gehaltene, aber gleichermaßen eindringliche Aufforderung zur Gottes- und Nächstenliebe. Die Männerstimmen hielten dabei durch eindrucksvolle Präsenz den Chor zusammen und verschafften ihm ein klangliches Fundament, ohne die Frauenstimmen ihrer stimmlichen Entfaltungsmöglichkeiten zu berauben. Von faszinierender Sogwirkung waren auch die langen Atembögen, die der Chor gestaltete: Spannungsvoll aufgebaute Liegetöne wurden so zu köstlichen musikalischen Linien. Das Kammerorchester Kolbermoor, das wie immer dem Projektchor ein sehr aufmerksamer und beweglicher Begleiter war, färbte mit seinem Spiel die Klänge und Stimmungen in den verschiedenen Werken noch reicher und differenzierter. Dazwischen bot es durch reine Streicherstücke auch eine nicht durch Liedtexte vorbestimmte, instrumentale Projektionsfläche für Gedanken, sei es im dankbar-sehnsüchtigen „Säterjentens Söndag“ des norwegischen Komponisten Ole Bull oder in der Freude verströmenden Cantilena für Violine und Orchester von Joseph Rheinberger. Beide Male beglückte Marinus Kreidt durch sein wunderbar beseeltes Violinspiel als Solist. Chor und Orchester bauten so einen abwechslungsreichen Spannungsbogen auf, der sich schließlich beim abschließenden „Introitus und Kyrie“ von Steve Dobrogosz in einem furiosen Finale entlud. Wieder einmal ist es Martin Kreidt gelungen, ein ebenso facettenreiches wie gedankenvolles Konzert zu gestalten. Die Zuschauer in der vollbesetzten Kirche Hl. Dreifaltigkeit belohnten die Sänger und Musiker für dieses musikalische Lob Gottes mit langem, dankbaren Applaus.