Kirchenkonzert

Jubelklänge in St. Johann-Baptist

Selten harmoniert ein Kirchenraum so wundervoll mit den ihm beschreibenden Worten und den ihn erfüllenden Klängen so vollkommen, wie das am vergangenen Freitag in St. Johann-Baptist von Westerndorf am Wasen zu erleben war. Westerndorf am Wasen ist ein Ortsteil von Pang, und die barocke Rundkirche St. Johann-Baptist ist dort seit über 350 Jahren der unübersehbare Höhepunkt. Ihr harmonischer, schlanker Turm weist schon von weitem auf sie hin. Hans Demberger, der auch ein äußerst einfühlsames und aufschlussreiches Buch über diesen Kirchenbau veröffentlicht hat, erzählte begeistert über den trotz seiner bescheidenen Größe so großartigen Kirchenraum und seine stilvolle Ausstattung. Die fünf kurzen Lesungen Dembergers bestachen durch sein profundes Wissen und die persönliche Bescheidenheit, vor allem aber durch seine meditativen Aussagen über die Bauzeit, über den Stil der Verzierungen im Kirchenraum, den Zusammenhang mit den Bläser- und Flötenweisen und den Liedkompositionen aus den vier fernen Jahrhunderten.

Der Titel der Veranstaltung, „eine musikalische Kirchenführung“, war von dem Kunsthistoriker Hans Demberger absolut genial gewählt worden: Wem es in der anmutigen und herrlichen Rundkirche primär um die Idee einer Kirchenführung zu fünf anschaulich beleuchteten Themenkreisen gehen mochte, der kehrte im Anschluss daran bestimmt umfassend informiert und ganz befriedigt in seine individuelle Kunsterlebniswelt heim.

Freunde eines klanggesättigten Bläserensembles kamen durch Eduard Bergers Musikschul-Blechbläservirtuosen voll auf ihre Erwartungen. Einerlei, ob man Martin Graberts facettenreiches „Turmstück“, die „Hymn“ Jakob de Haans oder Traugott Fünfgelds „Spiritual“ betrachtet: Die vier Bläser zeigten sich stets voll auf der Höhe dessen, was von ihnen gefordert wurde. Ganz besonders bestachen ihre Begeisterung und ihr voller „Sound“ im Abgang der anspruchsvollen Werke.

Ganz andere Anforderungen an die Spielfreude „seiner“ Musikerinnen stellten sich Eduard Bergers vier Flötistinnen. Jeremiah Clarkes „Virginalmusik“ ist ebenso wie G. F. Händels „Sarabande“ wundervoll rhythmisch belebt und führt auch schon innerhalb der einzelnen Stücke in interessanten Modulationen zu unerwarteten Klangerlebnissen, die die vier Musikerinnen stets achtsam realisierten.

Die beiden Chöre unter der Leitung von Heide Hauser gingen begeistert und erfolgreich zu Werke, um den von den Instrumentalisten vorgegebenen Standards zu entsprechen, bzw. diese noch zu übertreffen. So war natürlich J. S. Bachs Pflichtstück „Ehre und Preis sei Gott“, ebenso wie Antonio Lottis „Regina caeli“ und ganz besonders C. Drews vierteilige Komposition „ Die Nacht“ beim gemischten Chor der Stadtsingschule Kolbermoor gut aufgehoben. Besonders subtil hatte Heide Hauser ihre achtzehn Frauenchorsängerinnen vorbereitet: Ihr genügt es nicht, rein und textverständlich zu singen (Originalton: „das ja sowieso!“), sie fordert stets ein Höchstmaß an innerer Anteilnahme an dem jeweiligen Werk, sowie ein äußeres und inneres Lächeln und eine spürbare Begeisterung für die musikalischen Ideen der Clarks und der Gumpelzhaimers, sowie Spiritual-Aussage eines John Rutter oder die sehnsüchtige Bitte „O come, let us sing!“.

Insgesamt kann man die geglückte Absicht Hans Dembergers und der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor nur ausdrücklich loben, die diese „musikalische Kirchenführung“ zu einem zwischen der Architektur, den Texten und der Musik harmonisch verbundenen und jubelnden Festabend machte, für den sich die vielen Zuhörer zuletzt anerkennend mit stehendem Applaus bedankten.