Wunderkinder oder Teufelsgeiger ?

Zu W. A. Mozarts Zeiten hätte man sie „Wunderkinder“ genannt. Im Nikolai Paganinis Umfeld „Teufelsgeiger“. Beides ist nicht wirklich richtig. Erstens trägt Stephanie Wagenstaller bereits ihr zweites Kind unter dem Herzen, während Mariunus Kreidt zu einem ansehnlichen jungen Mann herangewachsen ist. Und zweitens sind die Beiden seitdem sie bei Martin Kreidt an der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor mit dem Violinunterricht angefangen haben, weder durch Wunder noch durch Teufelei zu ihrem jetzigen Können herangereift.

Inzwischen spielt die oben genannte Stephanie aus Thann an der Universität Mozarteum Salzburg und jener Marinus an der Innsbrucker Filiale des Mozarteums. Beide bereiten sich mit Fleiß und Begeisterung auf die anstehenden „Bachelor of Music“-Prüfungen vor und beide übertrugen ihre Begeisterung beim gestrigen Kammerkonzert in der Musikschule Kolbermoor auf ihr Publikum. Begleitet von der Pianistin Rebekka Höpfner eröffnete Stephanie Wagenstaller mit J. S. Bachs Violinkonzert E-Dur und W. A. Mozarts Sonate D-Dur, KV 306. Mochte man bei diesen beiden Werken noch denken „typisch Bach“ und typisch Mozart“, so drängte sich bei A. Khachaturians Violinkonzert d-moll der Gedanke „teuflisch“ auf. Diese frappierenden Triller, Läufe und technischen Kapriolen im äußersten Prestissimo und Fortissimo waren sowohl von der Erfindung seitens des Komponisten als auch seitens der Ausführung durch die Geigerin und der sie begleitenden Pianistin Rebekka Höpfner phänomenal.

Anschließend musizierte der Geiger Marinus Kreidt „Präludium und Allegro“ von G. P. Kreisler mit berührend elastischem Ton. Zweifellos hätte sein Lehrer, Christos Kanettis, am Mozarteum II von Innsbruck ebenso an ihm sein Vergnügen gehabt wie die zahlreichen Musikfreunde im Saal der Musikschule. Abschließend spielte das Streicherterzett um Martin Kreidt Dvoraks Opus 74. Die Begeisterung für sie und die geniale Pianistin klang in „nichtendenwollendem“ Beifall und vielen Beitrittserklärungen zum Musikschulförderverein aus.

(ceb)